Veranstaltungsdetail
Image
Mittwoch, 07.09.2016
18:00 - 20:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
1866 – Vom Deutschen Bund zum Deutschen Krieg.
Vorstufen zu 1914 und 1939
Mit PD Dr. Peter Geiger, Historiker, Schaan


Der Historiker Peter Geiger, Kurator der Ausstellung «1866 – Liechtenstein im Krieg», zeigt in seinem Vortrag im Landesmuseum am Mittwoch, 7. September, 18.00 Uhr, warum der Deutsche Bund nach einem halben Jahrhundert Frieden 1866 im Krieg zerbrach, warum es wenige Jahre darauf zum Krieg zwischen Frankreich und Deutschland kam und inwiefern dies Vorstufen zum Ersten Weltkrieg und dann auch zum Zweiten waren.

Der Deutsche Bund, 1815 im Zuge der Neuordnung Europas geschaffen, war ein Staatenbund von 38 Mitgliedern. Führungsmacht war Österreich zusammen mit Preussen, mittelgrosse Glieder waren Bayern, Baden, Württemberg, Hannover, Sachsen, Hessen, dazu kamen viele Kleine und Kleinste wie Liechtenstein. Eine Gesandtenversammlung in Frankfurt am Main setzte Regeln. Der Bund war schwach, nach aussen und innen – was dem europäischen Frieden half. Doch schliesslich führte das Vormachtstreben Österreichs und Preussens 1866 in den Krieg zwischen den zwei Mächten und ihren jeweiligen Verbündeten. Auch Italien trat gegen Österreich an. An der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz im nördlichen Böhmen waren insgesamt mehr als 400‘000 Soldaten beteiligt, am Krieg insgesamt ca. 1,4 Millionen. Preussen gewann, es gründete sogleich den Norddeutschen Bund. Das von Napoleon III. geführte Frankreich war unzufrieden, trat 1870 gegen das provozierende Deutschland in den Krieg. Er endete 1871 vernichtend für Frankreich und mit der Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches im Spiegelsaal von Versailles – wo dann 1919 wiederum die Sieger über Deutschland den Versailler Frieden unterzeichneten.

Bündnisse
Im Deutschen Krieg bestanden militärische Bundespflichten, auch für Liechtenstein. Bündnisabsprachen nach verschiedenen Seiten, meistens geheim, spielten immer eine grosse Rolle, schon im Vorfeld des Krieges von 1866, erneut 1870 und dann insbesondere unter Bismarck mit Zweibund (D+Ö), Dreibund (D+Ö+I), deutsch-russischem Rückversicherungsvertrag, später mit Anglo-Japanischer Allianz, Entente Cordiale (F+GB) und Triple-Allianz (F+GB+Ru), dazu kamen wechselnde Bündnisse auf dem Balkan. Alle dienten sie der Absicherung für den Ernstfall – den man daher gerade nicht scheute. Nach dem Ersten Weltkrieg suchte man kollektive Sicherheit durch den Völkerbund; doch dessen Regeln konnte man nicht durchsetzen, weder gegenüber Japan noch Italien noch Deutschland. Hitler meinte, mit seinem Nichtangriffspakt mit Stalin im August 1939 könne er Frankreich und Grossbritannien vom Kriegseintritt abhalten und die Eroberungen ohne Zweifrontenkrieg fortsetzen, vergeblich.

Waffen
1866 gewann Preussen auch wegen des Zündnadelgewehrs, das als Hinterlader rasch und im Liegen nachgeladen wurde. Die Österreicher und ihre Verbündeten waren noch mit Vorderladern ausgerüstet. «Die Preussen schiessen schneller», hiess es fortan. Allenthalben schaffte man nun Hinterlader an. Und entwickelte alsbald Schnellfeuerwaffen. Als im Ersten Weltkrieg die Infanteristen an der Somme und bei Verdun – nach Artilleriegranatenhagel aufs feindliche Vorgelände – aus den Gräben stürmten, wurden sie von Maschinengewehrfeuer empfangen und niedergemäht, auf der einen wie andern Seite. Daher die Stellungskriege und die ungeheuren Menschenverluste. Hinzu kamen See-, Luft- und Wirtschaftskrieg, U-Boote. Im Zweiten Weltkrieg ging man zum Bewegungskrieg über, mit Panzern und Bombern, schliesslich global und nuklear. Die Kavallerie verschwand ebenso wie die rote Hose der Franzosen, die preussische Pickelhaube oder der liechtensteinische Tschako. Aber die Bündnisse, die Rüstungsentwicklung, die Kriegsgründe, die verheerenden Auswirkungen wie auch die Bemühungen zum Frieden gleichen sich in manchem.
Der Vortrag wird vom Liechtensteinischen Landesmuseum in Kooperation mit dem Historischen Verein organisiert. 

Die von Peter Geiger kuratierte Ausstellung «1866 – Liechtenstein im Krieg – Vor 150 Jahren» ist nur noch bis zum Sonntag, 11. September 2016, im Landesmuseum zu sehen.


Vorderladergewehr: Gewehr des liechtensteinischen Militärkontingents, Kaliber 13,9 mm, Vorderlader, Ladestock am Lauf, mit Bajonett (© Liechtensteinisches Landesmuseum, Foto: Sven Beham).



In Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein