Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 01.11.2017
18:00 - 19:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Von Pyramiden in Norddeutschland und Ägyptischem in der Freimaurerei
Mit Dr. Christian E. Loeben, Ägyptologe, Museum August Kestner, Hannover

Es wird sicher viele Interessierte überraschen, aber das deutsche Bundesland Niedersachsen ist ein Land der Pyramiden! Zwar gibt es zahlenmässig mehr von ihnen in Brandenburg, jedoch verhält es sich dabei genauso wie zwischen Ägypten und dem Sudan: Im heutigen Sudan stehen mehr erhaltene Pyramiden als in Ägypten – jedoch die ältesten, grössten und vor allem die berühmtesten Pyramiden der Welt befinden sich in Ägypten, unumstritten die Heimat aller Pyramiden. Vergleichbar gebührt Niedersachsen der Rang, das Ursprungsland aller aus nachantiker Zeit stammenden Pyramiden der Welt zu sein! Auch steht die grösste aller Pyramiden Deutschlands in Niedersachsen. Sie wurde zur Grabstätte der Familie eines Grafen, der Freimaurer war. 

Aber was fanden Anhänger der 1717 begründeten und somit bereits 300 Jahre bestehenden Freimaurerei am Alten Ägypten so faszinierend? Warum preist der Chorgesang „O Isis und Osiris“ in Mozarts berühmtester, 1791 uraufgeführter Oper „Die Zauberflöte“ ausgerechnet ägyptische Götter? Auf die Spur führt Jean Terrassons 1731 veröffentlichter Roman über das Leben des ägyptischen Prinzen Sethos. Er schildert harte und abenteuerliche Prüfungen, deren Bestehen den Titelhelden zu einem guten und weisen Menschen machen. Ägyptens Mysterien werden dadurch als vorbildliche Bildung für das 18. Jahrhundert, die Zeit der Aufklärung, dargestellt. Ob nun das Geheime an der frühen Freimaurerei als Aufklärung oder Alchemie, als Lust an der Sensation oder als Beherrschung der Leidenschaften verstanden wurde, Ägypten bot für die unterschiedlichen Richtungen der Freimaurerei immer eine Projektionsfläche. Toleranz, Humanität, Brüderlichkeit und Wohltätigkeit, denen sich die Freimaurer heutzutage verpflichtet fühlen, wurzeln auch in diesem, in den Logen der Aufklärung ausgetragenen Streit über ein mehr oder weniger authentisches Ägyptenbild. 

Diesen „ägyptischen Wurzeln“ nicht nur der Freimaurerei, sondern auch unseres heutigen Zusammenlebens wird der reich bebilderte Vortrag nachspüren.