Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 16.05.2018
18:00 - 19:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Urbanismus am Bodensee – Brigantium im Lichte aktueller Forschungen
Mit Dr. Karl Oberhofer, Archäologe, Universität zu Köln

Der Archäologe Karl Oberhofer stellt am Mittwoch, 16. Mai 2018, um 18 Uhr im Liechtensteinischen Landesmuseum neue Erkenntnisse über das römische Brigantium (das heutige Bregenz) vor. Der Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung «Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee» findet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur, Archäologie, statt. Der Eintritt ist frei.

Im Jahre 1888 legte Samuel Jenny das über 5‘000 m² grosse Forum von Brigantium frei. Einzelne Bereiche von diesem standen in den Jahren 2016 und 2017 wieder im Fokus der Archäologie. In seinem Referat stellt Karl Oberhofer in einer forschungsgeschichtlichen Zusammenschau zunächst die Entdeckungen und Aktivitäten des 19. und 20. Jahrhunderts dem heutigen wissenschaftlichen Ansatz gegenüber. Im Laufe der über 150 Jahre langen Forschungsgeschichte hat sich nicht nur unsere Kenntnis über die römische Zeit im Alpenraum vergrössert, auch die Archäologie hat sich methodisch weiterentwickelt. Fragen zur Siedlungsentwicklung sind ein wesentlicher Teil der modernen Altertumsforschung geworden. Für deren Beantwortung werden immer mehr Naturwissenschaften in verschiedenster Art und Weise eingebunden.
Mit dem Forum als politischem und wirtschaftlichem Kern sah die Forschung im 19. Jahrhundert Brigantium als ein Municipium und somit als ein administratives Zentrum an. Im Rahmen des Vortrages soll der Begriff «Stadt» erläutert und deren unterschiedliche Bezeichnungen und Rechte im römischen Reich mit dem archäologisch Fassbaren verglichen werden.
Aktuelle Grabungen können für Brigantium eine besondere Entwicklung aufzeigen: Neben dem Militärposten im Südwesten des Bregenzer Ölrains entstand in den ersten Jahrzehnten nach Christi Geburt eine dorfähnliche Siedlung. Die wirtschaftliche Situation war nach dem Abzug des Militärs in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. weiterhin günstig, sodass ein reger Ausbau dieses sogenannten Vicus zu beobachten ist: Holzgebäude wurden z. T. durch Steinmauern aufgewertet und Strassenzüge neu angelegt. Markante Umwälzungen gab es im Vierkaiserjahr 68/69 n. Chr. Ob Brigantium direkt von Zerstörungen betroffen war oder im Gegenteil in den «Genuss» umfassender Maßnahmen zur Neuordnung der römischen Nordwestprovinzen kam, bleibt weiterhin offen. Gesichert ist jedenfalls der Bau eines Forumskomplexes, der Rückschlüsse auf eine funktionierende öffentliche Verwaltung zulässt, für die wir bis dato keine schriftlichen Zeugnisse kennen, deren Handeln aber im archäologischen Befund mehr denn je greifbar wird.

Dr. Karl Oberhofer arbeitete nach seiner Promotion 2012 an der Universität Innsbruck in verschiedenen Forschungsprojekten mit und ist seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archäologischen Institut der Universität zu Köln. Neben der universitären Lehre ergänzen Forschungen zu städtischen Zentren der römischen Zeit auf der iberischen Halbinsel und dem Siedlungswesen der indigenen Bevölkerung in der Provinz Noricum seine mehrjährigen Untersuchungen zu einem der dynamischsten Siedlungsplätze der Provinz Raetien: Brigantium.


Rekonstruktion von Brigantium, 1889 © Samuel Jenny.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur, Archäologie