Veranstaltungsdetail
Dienstag, 27.11.2007
12:05 - 14:05 Uhr
Der Matta-Bote
Bronzeplastik von Herbert Fritsch

Schenkung der Hilti Art Foundation 2007 an das Liechtensteinische Landesmuseum Vaduz




Das Projekt "der Matta-Bote", entstanden in den für Herbert Fritsch durch schwere Krankheit geprägten Jahren 2006 und 2007, hat durch den Tod des Künstlers am 20. Oktober 2007 eine neue Dimension, eine neue Symbolik und einen neuen Inhalt erhalten. Der Matta-Bote ist zum eigentlichen Vermächtnis von Herbert Fritsch geworden: sein letztes künstlerisches Werk im Raum, ein Auftragswerk, komponiert in konkretem Kontext und gestaltet für einen einzigartigen Ort, nicht beliebig verschiebbar und nicht austauschbar, ein Kunstwerk, ausschliesslich für das Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz geschaffen, kein beliebiges Werk aus dem Angebot des Kunstmarktes.

Herbert Fritsch war in seinem ganzen künstlerischen Schaffen stetig auf Spurensuche nach Signalen, Zeichen, Symbolen, Metaphern. Erinnert sei nur an den heute fast mystischen Ort beim Wasserschläfer, einer Skulpturengruppe beim und im Weiher von Feldkirch-Tisis.

Auch in Liechtenstein ist Herbert Fritsch längst kein Unbekannter mehr, ich denke etwa an die Liechtensteiner Briefmarken mit uralten Hauszeichen unserer Vorfahren, an das bronzene Walsertor beim Kulm in Triesenberg, an die vergänglichen Gras- und Schneezeichen im Steg oder an die eindrückliche Ausstellung "Landschaftsprojekte, Plastiken und Zeichnungen" vom Frühjahr 2005 im Kunstraum Engländerbau in Vaduz, die von Dr. Beat Stutzer, dem Direktor des Bündner Kunstmuseums, kuratiert wurde und noch vielen Besucherinnen und Besuchern in Erinnerung sein dürfte. Genau diese Ausstellung war dann auch der entscheidende Auslöser für die Realisierung des Projektes "der Matta-Bote", dem neuen Wahrzeichen des Liechtensteinischen Landesmuseums.

Seit der Wiedereröffnung des Liechtensteinischen Landesmuseums im November 2003 befindet sich in einer Vitrine an prominenter Stelle der Dauerausstellungen zur Kulturgeschichte Liechtensteins ein bedeutender archäologischer Fund aus dem Gebiet des heutigen Fürstentums Liechtenstein, das vor bald fünfzig Jahren auf der Alpe Matta gefundene latènezeitliche Eisenschwert, das nun für die Bronzeplastik von Herbert Fritsch als Quelle künstlerischer Inspiration Pate stehen sollte.

Lange setzte sich Herbert Fritsch mit dem Boten aus längst vergangener Zeit auseinander, über dessen Auffindung vor fünzig Jahren David Beck im Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein eindrücklich berichtet.

Dieses Schwert von Matta diente aber nur als kraftvolle Inspiration für eine ureigene Neuschöpfung, konzipiert und komponiert für einen genau bestimmten, einzigartigen Ort und Raum auf dem Vorplatz des Liechtensteinischen Landesmuseums. Nicht die Erstellung einer Kopie, sondern die Schaffung eines Symbols, eines Zeichens der Identität des Landesmuseums war das Ziel des Künstlers, denn was dem Liechtensteinischen Landesmuseum bislang nach Aussen hin fehlte, war ein solch sichtbares Zeichen seiner Identität, ein Symbol, das bei den vielen Passanten im Zentrum von Vaduz die Neugier weckt und das Interesse hin auf das Landesmuseum und seine darin verborgenen natur- und kulturhistorischen Inhalte und Zeugnisse lenkt.

Worum es ihm dabei geht, hält Herbert Fritsch im Projektbeschrieb fest: "Das folgende Konzept für das Kunstprojekt "Matta - Bote" beruht auf der Idee, schon im Eingangsbereich des Museums die ankommenden Besucher auf die Museumssammlung hinzuweisen und sie in das Museum zu leiten. Der "Matta - Bote", eine etwa 550 cm hohe Bronzestele, ist ein Zeichen auf dem Vorplatz des Museums, das das Alte mit dem Neuen, das Historische mit dem Gegenwärtigen in Beziehung bringen soll. Der "Matta - Bote" soll das Interesse der Besucher wecken und diese einladend in den Bereich des Museums führen. Schon im Vorfeld der Sammlung offenbaren sich dadurch die wesentlichen Aufgaben des Museums, das Sammeln, Erhalten und Vermitteln. (.) Der "Matta - Bote" (.) ist ein neues Zeichen, dessen Form im weitesten Sinne mit einem "Eigentumszeichen" oder eben mit dem latènezeitlichen Schwert von der Alpe Matta in Verbindung zu bringen ist. Die Stele wird durch ihre Einfachheit eine visuelle Kraft besitzen, der man sich als Betrachter kaum entziehen kann. Der "Matta - Bote" ist in Richtung Alpe Matta ausgerichtet, weist also auf seinen Ursprung hin. Seine Bedeutung bleibt jedoch offen, verleitet aber zu subjektiven, sinnstiftenden Interpretationen - besonders dann, wenn man beim Besuch der Sammlung auf die ausgestellten Stücke und prähistorischen Funde stösst". (Soweit Herbert Fritsch in seinem Projektbeschrieb).

Der Vorarlberger Kunsthistoriker Mag. Albert Ruetz bezeichnet Herbert Fritsch einmal als "einen Grenzgänger, Grenzüberschreiter, der damit eine neue Dimension eröffnet, deren Horizontlinien von der Kunst bestimmt sind: Von der Suche nach Spuren, nach Zeichen und Verweisen in das Vergangene, Gewordene ebenso wie vom Entdecken von Trittsiegeln, die Menschen und Natur in gegenseitiger Beeinflussung immer hinterlassen" [1]. Herbert Fritsch hat mit dem Matta-Boten ein künstlerisches Vermächtnis geschaffen und hinterlassen; kaum vollendet, hat Herbert die Grenze zu einer anderen Seinswelt überschritten. Der Matta-Bote wird stets an einen wertvollen Menschen, einen lieben Freund und begnadeten Künstler mit Tiefgang erinnern.

Die Museumsleitung dankt allen, die an der Realisierung dieses Projektes beteiligt waren und dieses letztendlich ermöglicht haben. Ein ganz besonderer Dank aber gilt der Hilti Art Foundation für die Gesamtfinanzierung dieser eindrucksvollen Bronzestele.

Lic. phil. Norbert W. Hasler,
Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums

Vaduz, im November 2007


[1] Josef Ebnöther, Herbert Fritsch, Hohenems 1994.