Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 24.08.2016
18:00 - 20:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Das Hungerjahr 1816/17
Mit lic. phil. Paul Vogt, Historiker und ehemaliger Landesarchivar, Balzers

Der Historiker und ehemalige Landesarchivar Paul Vogt hält am Mittwoch, 24. August 2016, um 18 Uhr im Liechtensteinischen Landesmuseum einen Vortrag zum Thema „Das Hungerjahr 1816/17 in Liechtenstein“. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein statt.

Vor 200 Jahren kam es in Liechtenstein zur letzten Hungersnot. Das Jahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Im Jahr davor war in Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen: Eine Woche lang stiess er ungeheure Massen an vulkanischer Asche, Schlamm und Gestein aus. Es war der verheerendste Vulkanausbruch der letzten 25‘000 Jahre und kostete über 100‘000 Menschen das Leben. Er wirkte sich aber auch weltweit auf das Klima aus. In West- und Nordeuropa sanken 1816 die Temperaturen um bis zu vier Grad, es war ein ausgesprochen nasser und kalter Sommer. Die Folge waren Missernten und Hungersnöte. 

Peter Kaiser, der die damalige Not selber miterlebte, schrieb in seiner Geschichte des Fürstentums Liechtenstein, dass in Liechtenstein niemand „eigentlich Hungers“ starb, doch die Pfarrbücher zeigen ein anderes Bild: Viele Menschen ernährten sich auf erbärmliche Weise. Sie waren geschwächt, die Zahl der Toten stieg, die Zahl der Geburten hingegen ging zurück. Das schlechte Wetter führte zu grossen Ernteausfällen. Kartoffeln und Getreide wurden nicht reif oder verfaulten auf den Feldern, die Lebensmittelpreise stiegen immens. Die Zahl der Auswanderungen erreichte 1817 einen Höhepunkt – ebenso die Zahl der Diebstähle an Lebensmitteln und Vieh.

Landvogt Schuppler sah sich nicht im Stande, wirksame Massnahmen gegen die Not zu ergreifen. Die Einfuhr von Lebensmitteln war nicht möglich, da in allen Ländern Ausfuhrsperren für Lebensmittel bestanden. Eine solche erliess Schuppler auch für Liechtenstein. Ausserdem ordnete er vermehrte „Streifen“ an, mit denen „fremdes Gesindel“ und Bettler aus dem Lande vertrieben werden sollten. Im Frühjahr 1817 gelang es ihm, den Ankauf von Samen in Vorarlberg zu ermöglichen. Ansonsten stellte er sich aber auf den Standpunkt, dass es vor allem an den Gemeinden liege, ihren Leuten zu helfen.


In Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein